Selbstversorgungsgrad
Roland Berger Geflügelstudie 2026: Top-7-Zahlen, die Deutschland kennen sollte
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1. Zahl: 2,5 Prozent pro Jahr: Die Nachfrage wächst weiter
Der Geflügelboom ist kein kurzfristiger Trend. Bis 2040 prognostiziert Roland Berger ein jährliches Nachfragewachstum von bis zu 2,5 Prozent. Damit bleibt Geflügel die Wachstumskategorie im deutschen Fleischmarkt. Die Frage ist: Wo wird das zusätzlich nachgefragte Geflügelfleisch künftig erzeugt?
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2. Zahl: 3,4 Prozent pro Jahr: Hähnchen ist der Wachstumstreiber
Wachstumstreiber ist Hähnchenfleisch. Hier erwartet Roland Berger bis 2040 ein jährliches Nachfrageplus von bis zu 3,4 Prozent. Schon zwischen 2010 und 2025 stieg der Pro-Kopf-Verbrauch von Hähnchen um rund 62 Prozent. Dieser langfristige Wachstumstrend setzt sich laut Studie fort, ohne Berücksichtigung von zusätzlichen Positiveffekten durch weitere Veränderungen im Ernährungsverhalten unserer Gesellschaft (Adipositas, GLP-1-Therapien, Fitness).
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3. Zahl: 1 Prozent: Die heimische Erzeugung kann nicht Schritt halten
Während die Nachfrage deutlich wächst, nimmt die heimische Geflügelfleischerzeugung unter den heutigen Rahmenbedingungen nur um rund ein Prozent pro Jahr zu. Damit öffnet sich die Schere zwischen Verbrauch und Produktion weiter. Der zusätzliche Bedarf muss zunehmend durch Importe gedeckt werden.
4. Zahl: 77 Prozent: Der Selbstversorgungsgrad sinkt
Heute liegt der Selbstversorgungsgrad bei Geflügelfleisch noch bei 91 Prozent. Bis 2040 könnte er laut der Studie auf 73 bis 77 Prozent fallen. Bei Hähnchen liegt der prognostizierte Korridor sogar bei 71 bis 79 Prozent. Deutschland würde damit einen deutlich größeren Teil seines Bedarfs über Importe decken.
5. Zahl: 130-180 neue Ställe pro Jahr: So viel Kapazität wird bundesweit benötigt
Um die zusätzliche Nachfrage nach Hähnchenfleisch stärker aus heimischer Erzeugung zu decken, wären bis 2040 laut Roland Berger 55 bis 75 Millionen zusätzliche Stallplätze notwendig – ergänzt durch zusätzliche Schlacht- und Verarbeitungskapazitäten. Dafür müssten deutschlandweit ab jetzt jährlich etwa 130 bis 180 neue Hähnchenställe entstehen. Rechnerisch wären das im Durchschnitt rund 8 bis 11 neue Ställe pro Bundesland und Jahr. Die Zahl macht deutlich, der Ausbau der heimischen Produktion ist eine machbare Aufgabe, wenn der politische Wille da ist.
6. Zahl: 1 Milliarde Euro: Die Branche will investieren
Die Bereitschaft zum Ausbau ist vorhanden: Die deutsche Geflügelwirtschaft signalisiert eine initiale Investitionsbereitschaft von rund einer Milliarde Euro. Ob daraus tatsächlich neue Kapazitäten entstehen, hängt wesentlich von den Rahmenbedingungen ab. Roland Berger nennt unter anderem schnellere Genehmigungen, weniger Bürokratie und faire Wettbewerbsbedingungen in Europa.
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7. Zahl: 25 Prozent: Der Geflügelboom wirkt besonders günstig auf die CO₂-Bilanz
Geflügelfleisch weist innerhalb der Fleischkategorien einen vergleichsweise niedrigen CO₂-Fußabdruck und eine hohe Futtereffizienz auf, da beispielsweise Hähnchen gute Futterverwerter sind. Laut Roland Berger führt die Verschiebung des Fleischkonsums hin zu mehr Geflügel im Zeitraum von 2010 bis 2040 zu einer kumulierten CO₂-Einsparung von rund 25 Prozent. Damit hat der Geflügelboom neben der Versorgungsfrage auch eine Klima- und Ressourcendimension.
Sieben Zahlen, eine zentrale Botschaft
Die Zahlen zeigen eine klare Entwicklung: Die Nachfrage nach Geflügelfleisch wächst – und die heimische Erzeugung wird druch die aktuellen Rahmenbedingungen (Baugenehmigungen) ausgebremst. Setzt sich dieser Trend fort, sinkt der Selbstversorgungsgrad und Deutschland wird stärker von Importen abhängig.
Dabei geht es nicht um Abschottung: Internationaler Handel bleibt unverzichtbar. Eine starke heimische Erzeugung schafft jedoch zusätzliche Versorgungssicherheit und erhält den Einfluss darauf, unter welchen Tierwohl-, Umwelt- und Lebensmittelstandards das Geflügelfleisch produziert wird, das in Deutschland gegessen wird.
Die Nachfrage der Zukunft entsteht ohnehin. Geflügelfleisch wird sich auch künftig auf sehr vielen deutschen Tellern befinden. Die entscheidende Frage ist daher: Wo – und wie – wird das Geflügelfleisch produziert, das Deutschland 2040 verbraucht?
Über die Studie
Die Roland Berger Geflügelstudie 2026 wurde im Auftrag des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) erstellt. Sie wertet unter anderem Daten des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, des Statistischen Bundesamts sowie weitere wissenschaftliche und marktbezogene Quellen aus. Die Szenarien bis 2040 beruhen auf Fortschreibungen der Entwicklung der vergangenen 15 beziehungsweise 30 Jahre. Sie sind keine punktgenauen Vorhersagen, sondern zeigen die Bandbreite möglicher Entwicklungen unter den heutigen Rahmenbedingungen. Verschiedene, zusätzliche Positiv-Effekte in Bezug auf Geflügelfleisch sind bewusst nicht zugrunde gelegt worden.