Konstruierte Konkurrenz zwischen Teller und Trog

Der Gegencheck

These: „Aus Getreide entsteht immer besser Brot als Fleisch!“

Die Forderung, statt Futterweizen für Tiere verstärkt Brotweizen für Menschen anzubauen, hat aufgrund des Kriegs in der Ukraine wieder Konjunktur. Doch die jahrzehntelang geführte Teller-Trog-Debatte geht an der Wirklichkeit vorbei. Fakt ist: Fast 60 Prozent der heimischen Getreideflächen dienen dem Anbau von Tierfutter. Bei der populären Forderung nach der Umwidmung von Ackerflächen werden jedoch vier wichtige Fakten vergessen.

Erstens: Über die Verwendung der landwirtschaftlichen Flächen entscheidet nicht Ideologie. Maßgeblich sind regionale, strukturelle und klimatische Bedingungen wie die Bodenbeschaffenheit, Witterung und die Qualität der Ernte. Je nach Klassifikation und Qualität des Weizens eignet sich der Rohstoff für Tier oder Mensch – die Ansprüche an Nahrungsweizen für die Bevölkerung sind besonders hoch.

Zweitens: Futterweizen erfährt durch seinen Einsatz für ein höherwertiges Tierprodukt eine zusätzliche Aufwertung – man spricht hier von „Veredelung“. Besonders in puncto Nährstoffgehalt ist das proteinreiche Geflügelfleisch, Brot klar vorzuziehen. Professor Wilhelm Windisch, Experte für Tierernährung an der TU München, verweist darauf, dass bereits kleine Mengen Fleisch ausreichen, um die Lücken der Eiweißqualität veganer Eiweißquellen auszugleichen. Allein ein wertvolles 100-Gramm-Stück Geflügelfleisch kann 47 Prozent des Eiweiß-Tagesbedarfs einer Frau decken.

Drittens: Die Landwirtschaft, bestehend aus Pflanzen und Tieren, bildet eine komplexe Kreislaufwirtschaft mit der sogenannten „nicht essbaren Biomasse“ als Bindeglied: Bei der Erzeugung von einem Kilogramm pflanzlicher Lebensmittel fallen rund vier Kilogramm für den Menschen nicht konsumierbare Biomasse an. Nutztiere können diese effizient verwerten und ein für den Menschen höherwertiges Lebensmittel produzieren. Das ist der erste Schritt des Kreislaufsystems, um dem Boden die entzogenen Pflanzennährstoffe zurückzuführen.

Viertens: Die Rückführung als Dünger. Die Ausscheidungen von Geflügel werden als wertvoller und nachhaltiger Dünger eingesetzt. Der dadurch entstehende fruchtbare Boden kann wiederum für Getreideanbau verwendet werden.

Fazit: Pflanzliche Lebensmittel und Nutztiere stehen nicht in Konkurrenz zueinander. Die Nahrungsproduktion ist ein fein ausbalanciertes Gesamtsystem, das beide Erzeugungswege braucht und das ohne die Nutztierhaltung nicht funktionieren würde.

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