Fortschritte im Bereich Umweltschutz und Tierwohl sind für uns von zentraler Bedeutung. Allerdings widersprechen sich vereinzelte Ziele in diesen Bereichen. Zusammen mit Verantwortlichen aus Politik und Gesellschaft ist eine Priorisierung der Ziele notwendig. Darauf aufbauend muss die Politik die gesetzlichen Rahmenbedingungen schaffen, um tatsächlich Fortschritte zu erzielen. Ein Bereich, in dem es zu Zielkonflikten zwischen Umweltschutz und mehr Tierwohl kommt, ist beispielsweise der Stallbau.
Für mehr Tierwohl braucht es größere Ställe mit Freilandhaltung. Dies führt bedingt durch die geschaffenen Außenklimareize jedoch unweigerlich zu mehr Emissionen und steht damit konträr zum Ziel Umweltschutz. Einen weiteren Zielkonflikt findet man auch in der Bio-Tierhaltung: Hier sind für Geflügel in der Zucht mehr Auslauf und pro Tier eine größere Stallfläche vorgeschrieben – bei gleichzeitig um bis zu 20 Prozent geringeren Erträgen. Auch ein Wechsel hin zu langsam wachsenden Rassen, wie er im öffentlichen Diskurs oftmals gefordert wird, verträgt sich nicht mit Umweltzielen. Denn bei der Aufzucht langsam wachsender Rassen werden deutlich mehr Ressourcen wie Futter und Wasser verbraucht. Dazu steigen die CO₂-Emissionen.
Tierwohl durch verantwortungsbewusste Halter
Zahlreiche Studien und Expertenstatements bezeugen, dass die heutige Art Geflügelfleischerzeugung keinen Widerspruch zu Tierwohl, Tiergesundheit, Umweltverträglichkeit und Produktqualität darstellt. Gesichert ist, dass die Anzahl der Tiere im Stall dafür nicht der wesentliche Faktor ist. Weitaus wichtiger sind die Bedingungen wie Stallklima, Stallstrukturierung, Fütterung und Beschäftigungsmöglichkeiten. Unsere Halter haben in den vergangenen Jahren längst für gute, tierwohlgerechte Weiterentwicklungen in ihren Ställen gesorgt.
Der Zielkonflikt zwischen noch tierwohlgerechteren Ställen sowie dem Bau- und Emissionsrecht muss daher dringend aufgelöst werden. Um- und Neubauten für mehr Tierwohl erfordern Kompromisse bei den gesetzlichen Vorgaben. Viele Geflügelhalter werden in ihren Zukunftsplanungen ausgebremst, Investitionen in Stallanlagen liegen deshalb auf Eis.
Wettbewerbsfähigkeit sichern
Die Umsetzung von noch höheren Tierwohlstandards führt zu einer deutlichen Erhöhung der Produktionskosten. Um Fortschritte zu erreichen und vor allem zu finanzieren, braucht es starke, leistungsfähige Unternehmen in der Geflügelfleischwirtschaft, die sich in den offenen internationalen Märkten mit Konkurrenzprodukten aus Ländern mit teils deutlich niedrigeren Erzeugungsstandards und -kosten behaupten können. Hier ist sonst schnell der Punkt erreicht, an dem neue politische Vorgaben eine Branche ökonomisch überfordern.
Denn theoretisch könnte die deutsche Nachfrage nach Geflügelfleisch auch von anderen Erzeugerländern der EU und tierwohlmissachtenden Drittstaaten wie Brasilien gedeckt werden. Allerdings würde Deutschland damit den direkten Einfluss auf Standards bei Tierhaltung und Nachhaltigkeit verlieren. Und am Ende noch gravierender: Ein Standort mit idealen Strukturen und herausragendem Know-how würde sich vom Markt verabschieden. Solche Produktionsverlagerungen würden zudem in der Summe zu negativen Folgen für Umwelt und Klima führen. Der Blick auf das große Ganze in seinen langfristigen Auswirkungen hilft zu verstehen, warum Anpassungen beim hiesigen Bau- und Emissionsrecht so wichtig sind.